• "Große Weißenthurmer Karnevals- und Kirmesgesellschaft"
  • "All onne ähnem Hoot 1949 e.V."

Entstehungsgeschichte der Gesellschaft

nach Reinhard Amstadt

Karnevalistische Aktivitäten lassen sich in unserer Heimatstadt Weißenthurm bis auf das Jahr 1906 zurückverfolgen. Schon damals gab es in Weißenthurm zunächst eine, dann sogar zwei Karnevalsgesellschaften. Die eine am "Thur", organisierte ihre Veranstaltungen abwechslnd im Saal "Schumacher", dem heutigen Rheinhotel, oder im Saal "Meyen", dem jetzigen Hotel "Vater Rhein". Treibende Kräfte in dieser Gesellschaft waren u.a. Hans Lehnen, Josef Lenartz, Fritz Löf, Toni Rübenach, Hermann und Josef Krudwig, Willi Krob, Fritz Öllig und Bernhard Wolf.

Im Ortsteil Nippes organisierte die andere "alte Weißenthurmer Karnevalsgesellschaft" ihre Veranstaltungen, teils im Saal "Lohner", dem heutigen "Nette Haus" oder aber im damaligen Saal "Flöck" in der Bahnhofstraße, links neben der Rheinbrücke gelegen. Namen wie Peter Simon, Friedrich Lohner, Jean Müller und Ernst Maas dürfen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. 1921 wurde unter dem Motto "Einigkeit macht stark" die erste Kirmesgesellschaft gegründet.

Im Jahr 1936 hatte Weißenthurm mit Karl Thilmann seinen ersten Karnevalsprinzen. Ihm zur Seite standen Bernhard Wolf als 1. Hofmarschall und Josef Krudwig als 2. Hofmarschall. Johannes Fuchs übernahm das Amt des Mundschenken, Ernie Schmalenbach fungierte als Finanzminister und Jupp Brühl verkörperte die Symbolfigur des Hofnarren.
Der damalige Amtsbürgermeister Dr. Laufs, Josef Krudwig und Bernhard Wolf, der als Karnevalsprinz 1955/56 in die Vereinsgeschichte einging, waren die "Die drei Kurfürsten.

Durch die Entwicklung im Dritten Reich bedingt, gingen die karnevalistischen Aktivitäten - wie überall - auch in Weißenthurm zurück. Nachdem der schreckliche Zweite Weltkrieg schließlich sein Ende gefunden hatte, kehrte nach und nach die Weißenthurmer Bevölkerung an den Rhein, in ihren Heimatort "Thur" zurück. Viele junge Menschen, denen durch die Kriegsereignisse ihre Jugendzeit geraubt worden war, besannen sich auf ihren Humor und die Freude, ein Rheinländer zu sein und sehnten sich danach, wieder einige frohe Stunden im Kreise gleichgesinnter Freunde nachzuholen. Damals stand Weißenthurm unter französischer Besatzung, so daß vieles leichter gesagt als getan war. Die französischen Soldaten jedoch, die hier am Ort die Aufsicht führten, konnte man ganz gut für diese Dinge gewinnen. Trotz allem, hier und da machten sich einzelne Gruppen bereit zu feiern, wie das eben ein Rheinländer gerne tut. Vorallem bei Kohlhaase Pitter am Rhein gab es recht viele feuchtfröhliche Stunden in geselliger Runde. Es würde eine lange Geschichte, sollte alles wiedergegeben werden, was sich in den Jahren 1946 bis 1950 in Weißenthurm in dieser Richtung ereignet hat.

Da sind die ersten Büttenreden "vom Stuhl herunter" gehalten worden, von Hermann Kohns (Kohnse Männe), Hein Klein, Werner Zils, Hermann Lorig, Jupp Werther, Karl Wirges und Jupp Berresheim und fast immer war auch Jakob (Jack) Hillesheim mit seinem Schifferklavier dabei, so daß die Weißenthurmer Moritaten als sogenante "Mott-Geschichten" fröhlich gesungen wurden. Die Zusammenkünfte fanden meistens in der Küchenwirtschaft der Gastwirtschaft statt. Hinter der Türe stand dann oftmals die Polizei und lauschte, ab auch nichts Verbotenes geschah.

"Ich weiß", so erinnert sich Jupp Berresheim in seinen Erzählungen, "daß der damalige Ortspolizist André oft gelacht hat, wenn er heimlich die Tür einen Spalt breit öffnete, hineinschaute und dann ein Gläschen Bier mitgetrunken hat. Rechts vom Gasthaus befand sich die Wache der französischen Soldaten. Die Burschen haben ebenfalls so manches Glas mit uns geleert und mit uns gelacht und gefeiert. Aber es hat sie nie abgehalten, uns am nächsten Abend kurzfristig zu verhaften, um uns dann wieder laufen zu lassen. Doch wir wollten ja so vieles nachholen, was wir durch den bösen Krieg versäumt hatten und ließen uns durch nichts entmutigen. So möchte ich behaupten, daß der Karneval in Weißenthurm bei Kohlhaase Pitter, dem heutigen Gasthaus "Zum Anker", nach dem Krieg seinen Anfang genommen hat."

Langsam machten sich die ortsansässigen Vereine auch daran, gesellschaftliche und karnevalistische Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Zum Teil mit sehr gutem Erfolg. Vor allem die beiden Gesangsvereine "MGV 1877" und "MGV 1874 Eintracht" hielten hervorragende Kappensitzungen ab. Doch nach einiger Zeit wurde klar, daß es nicht Sinn des Karnevals allein sein konnte, nur im geschlossenen Saal unter Erwachsenen zu feiern, sondern daß der Karneval für alle Bürger da sein sollte, für die Jungen und die Alten gleichermaßen, und man war überzeugt, daß er auch auf der Straße gefeiert werden mußte.

Dies war ein großer Gedanke, der zwar keicht gefaßt, aber nur schwer in die Tat umgesetzt werden konnte. Insbesondere ist es aus heutiger Sicht Hermann Kohns (Kohnse Männe) und Jupp Berresheim zu verdanken, daß diese Idee energisch und konsequent verfolgt wurde, so daß es am 26. November 1949 in Fortführung der Tradition der alten Weißenthurmer Karnevals- und Kirmesgesellschaften zur Neugründung und Neukonstituierung kam. Der Verein sollte den Namen "Große Ka. und Ki. Weißenthurm erhalten, weil neben dem Karneval auch die Kirmes mit ihren weltlichen Feierlichkeiten total daniederlag. Es galt, auch dieses althergebrachte Brauchtum wieder zu aktivieren. Bei der Gründungsversammlung waren 29 Personen anwesend die im Anschluß an die von Jupp Berresheim geleiteten Sitzung allesamt Mitglieder wuren.

Das Wahlergebnis lautete:

  • 1. Vorsitzender
    Jupp Berresheim
  • 2. Vorsitzender
    Jupp Stein
  • 1. Schriftführer
    Hermann Kohns
  • 1. Kassierer
    Toni Eifler

 

Der Name "Große Ka. und Ki. Weißenthurm war nicht unüberlegt gewählt worden, was sich später als sehr richtig herausstellte.

"Nachdem wir nun die erforderlichen Unterlagen in deutsch als auch in französischer Sprache eingereicht hatten" so Jupp Berresheim in seiner Erzählung, fuhr Hermann Kohns damit nach Koblenz zu den französischen Behörden. Ursula Schlauß die dort als Dolmetscherin arbeitete, war ihm sehr behilflich, und so bekamen nach einiger Zeit die Genehmigung, den Verein in Weißenthurm führen zu dürfen. Nunmehr galt es, die Pflege des rheinischen Brauchtums in Weißenthurm wieder aufleben zu lassen. Für den Vorstand bedeutete dies, Kappensitzungen zu planen und durchzuführen, Festumzüge zu organisieren, Kinder- und Erwachsenencorps zu gründen und aufzubauen und - wie sich später als gut erwies - die karnevalistische Idee "auf die Straße zu bringen". Diese Gedanken haben uns damals sehr bewegt. Das es ein schwerer Weg werden würde, war uns bewußt. wir haben ganz auf die Bürger unserer Heimatgemeinde Weißenthurm gebaut, die alle auf breiter Basis Freude haben wollten und uns dabei halfen, das althergebrachte Brauchtum wieder pflegen zu können.

In sehr vielen feuchtfröhlichen Sitzungen ging es dann intensiv an die Arbeit. So beschlossen wir 1950, eine Kappensitzung imn Vereinshaus durchzuführen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß unser Mitglied "Öhm Schnack" eine wunderbare Bühne malte - ein großes Narrenschiff mitten im Turmhof - und wir alle traten während der Sitzung als karnevalistische Matrosen in diese Schiff,um unsere Vorträge zu halten. Diese erste Sitzung fand einen so großen Anklang, daß es für uns Verpflichtung wurde eine "Kappenfahrt" zu planen. Eine solche Kappenfahrt wie wir es damals nannten, war zwar kein Fastnachtsumzug im heutigen Sinne, weil kein Prinz dabei war, kein Hofstaat, keine Garden und Corps, aber das war für uns nicht das Entscheidende. Das wichtigste war für uns, die Sache wieder fortzubetreiben. Wir haben uns geschworen, wenn wir jetzt mit einer Kappenfahrt anfangen, dann wird ein Karnevalsumzug im großen Rahmen im nächsten Jahr folgen - und dieses sollte nicht nur eine Vision bleiben.

In vielen Sitzungen wurde dann diese Kappenfahrt im Detail geplant. Wir sprachen mit der Polizei über einen konkreten Termin und wurden damals gebeten, unser Vorhaben am Karnevalssonntag durchzuführen, weil der gesamte Verkehr zu jener Zeit noch über die alte B9 rollte und sich umleitungsmöglichkeiten nicht anboten. Wir gaben uns damit zufrieden. Und ich möchte sagen, es war ein schöner Zug, wenngleich auch ohne Prinz, ohne Prinzengefolge und ohne Garden und Corps aber mit sehr viel herzlicher Stimmung. Viele Bürger aus Weißenthurm und auch viele Gäste aus den Nachbarorten sprachen uns Mut zu, in dieser Richtung weiterzumachen.

In den Reihen der bereits etablierten Vereine wurde unser starkes Engagement in Richtung völliger Souveränität bei der Durchführung des Karnevals mit ein wenig Argwohn betrachtet. Aber mit großer Hilfe, insbesondere von Helmut Maas und Wilhelm Schultheis, den Chefs der beiden Weißenthurmer Brauereien, wurden die Unstimmigkeiten nach und nach aus der Welt geschafft. Wir ließen uns nicht beirren und setzten den Weg zum Bürgerkarneval zielstrebig fort. Parallel hierzu wurde auch das Kirchweihfest zu neuem Leben erweckt. Nach dem ersten Umzug mit der Kapelle "Fries" aus Dierdorf unter der Führung des Kirmeshauptmannes Jupp Stein mit seinen Kirmesmädchen und Kirmesjungen wurdevzum ersten mal nach dem Krieg an der Kirche ein Baum aufgestellt. Beim Abschlußball, Kirmesdienstag im Lokal "Leonhard Kohlhaas (Gaststätte Scharn) , konnten wir erfreulicher Weise nunmehr einige Vertreter der ortsansässigen Industriezweige begrüßen.

Für den Vorstand ging die harte Kleinarbeit weiter, um das große Ziel, welches wir ins Auge gefasst hatten, zu erreichen. Man soll gar nicht glauben, wie ernst Karnevalisten oftmals denken und arbeiten können und wie viele Meinungsverschiedenheiten es hinter den Kulissen gegeben hat - und es vielleicht heute noch manchmal gibt - Aber auch hier gilt die alte Weisheit, daß die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt haben.

Im Jahre 1952 wurde dann erstmals eine große Karnevalssitzung im Saal Schumacher dem heutigen Rhein-Hotel, abgehalten.
Im 1. Stock gab es damals einen großen Kinosaal, in dem die Veranstaltungen stattfanden. Beheizt wurde der Saal mit zwei riesigen Kanonenöfen. Den Wirt, den wir alle nur "Männesje" nannten, war ein wenig skeptisch, ob wir mit unserer kleinen Gesellschaft seinen Saal füllen könnten. Aber im nachhinein war er hocherfreut, daß der Saal bis zum letzten Platz ausgebucht war, und er begann, sich mit uns zu engagieren.

Langsam rückte das Jahr 1953 in greifbare Nähe. In vielen Sitzungen, die zum Teil von 19 Uhr abends bie 4 Uhr nachts dauerten, saßen wir zusammen und zerbrachen uns den Kopf darüber, was wir alles machen könnten. Wir hatten uns fest vorgenommen, 1953 sollte das Jahr sein, in welchem uns der große Durchbruch in Weißenthurm gelingen müßte, d.h. wir wollten einen großen Festzug veranstalten mit einem Prinzen, einem kompletten Hofstaat, mit Garden, Amazonen und Corps.

Das war natürlich eine gewaltige Aufgabe, die wir uns noch junge Karnevalisten in den Kopf gesetzt hatten. Aber es gab ja einen guten Nachbarn in Kettig, die KG "Gemütlichkeit". Und dieser Nachbar hatte große Erfahrungen gerade in diesen Dingen. So kam es, daß wir wieder einmal in einer langen Sitzung mit einem befreundeten Nachbarn aus Kettig bei unserem Vereinswirt Franz Nachtsheim (spätere Sportzentrale) tagten, der uns dann über die Zusammensetzung eines Hofstaates, über die einzelfunktion der Mitglieder des Prinzengefolges und insbesondere auch über die finanziellen Dinge genauestens unterrichtete. Wir waren so begeistert, daß wir am nächsten Tag frohlockend verkündet haben:"1953 wird es in Weißenthurm einen großen Festumzug mit Prinz, Hofstaat, einer Prinzengarde usw. geben". Wir wurden damals zunächst für verrückt erklärt. Doch eines stand fest: Wer in ein Vereinsleben so tief eingestiegen war wie wir, der muß in der Tat etwas verrückt gewesen sein!

Nun begannen wir langsam mit der Planung und der organisation, die heute mehr oder weniger routinemäßig abläuft. Aber damals mußte alles "von Null" an aufgebaut werden: Die Auswahl des Prinzen, des Hoffstaates, die Wahl der Uniformen, die Gründung von Garden und Corps, etc. Es gab bis zu diesem Zeitpunkt außer dem Funkencorps Grün-Weiß, daß vom "MGV 1877" gegründet worden war, keine weiteren Garden und Corps. Das Funkencorps setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Heinrich Kohns (1. Kommandant), Heinrich Klein (1. Offizier), Heinz Benzenberg, Adolf Riester, Joseph Becker, Joseph Kaul, Hans Höfer, Peter Selbach, Fritz Ott, Paul Ihrlich, Klaus Claas, Hans Paul Urmersbach und Hans Georg vom Umbscheiden. Die Uniformen wurden von Karl Enzenroß geschneidert.

Nach langen, reiflichen Überlegungen kamen wir zu der Ansicht, daß für einen Hofstaat und eine Prinzengarde eine breite Basis bei den Weißenthurmer Vereinen sowie bei der Bevölkerung gefunden werden müßte, damit wir als Gesellschaft selbst einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung, in der Verwaltung und in der Industrie bekommen konnten, eine wichtige Voraussetzung für einen jungen Verein, die bisher ja noch nicht vorhanden war. Einigkeit be tand auch darin, daß wir uns das Amt des Prinzen oder auch des Hofmarschalls Personen auswählen mußten, die zwar durch eine Vereinstätigkeit in Weißenthurm bekannt sein durften, jedoch politisch nicht zu sehr in eine Richtung tendieren sollten, sondern in jeder Hinsicht als neutral galten. Im Ergebnis gelangten wir zu der Überzeugung, daß Helmut Rausch als Vorsitzender der Kolping-Familie für das Amt des Karnevalsprinzen und Hermann Lorig als damaliger Vorsitzender des "MGV 1877" für das Amt des Hofmarschalls hervorragend geeignet seien. Nachdem wir dann mit beiden gesprochen hatten, stand für uns fest, daß wir eine gute Entscheidung getroffen hatten.Nun ging die Arbeit weiter, um den Hofstaat zu vervollständigen. Es galt noch einen Hofnarren auszuwählen, es waren zwei Pagen zu küren, und ein Funkenmariechen gehörte selbstverständlich auch dazu. Schließlich kamen wir dann zu der Überlegung, die Weißenthurmer Vereine stärker einzubeziehen und sprachen mit Franz Weber und Berni Schuen vom Turnverein Weißenthurm. Nachdem beide ihre bereitschaft, im Hofstaat mizuwirken, bekundet hatten, folgte noch ein Gespräch mit Konrad Gerhards vom Ballspielverein Weißenthurm. Danach stand der erste Prinzenhofstaat der Nachkriegsgeschichte fest

  • Prinz Karneval 1953/54
    Helmut Rausch
  • Hofmarschall
    Hermann Lorig
  • Pagen
    Franz Weber und
    Berni Schuen
  • Hofnarr
    Konrad Gerhards "Dötzje"

 

Berni Schuen übte sein Amt als Page Seiner Tollität allerdings nur ein Jahr lang aus, weil er seinen karnevalistischen Treueschwur nicht einhalten konnte, indem er seine Waltraud kennen- und lieben lernte und schließlich in den Stand der Ehe eintrat, was man wiederum auch verstehen konnte. Leo Nallin wurde sein Nachfolger; er machte seine Sache ebenfalls mit Bravour. Das erste Funkenmariechen und somit auch Mitglied im Hofstaat war Elisabeth Zils, die Schwägerin von "Kohnse Männe", bzw die Schwester von Johannes Zils, dem späteren Karnevalsprinzen der Jahre 1983/84,

Alle waren nun damit beschäftigt, sich für den bevorstehenden Karneval zu rüsten. Daneben galt es aber auch, eine Prinzengarde zusammenzustellen. Wir schlugen dann vor, als Kommandanten dieser Garde einen Mann der "Ka und Ki" auszuwählen. So wurde Julius Schneider erster Kommandeur der Prinzengarde. Vom Ballspielverein wurden Richard Schnack und Johannes Gecks gewählt, von der "Ka und Ki" Ernie Jakoby und Wolfgang Ott, vom Turnverein Klaus Meyer und Arnold Fuchs, vom Männergesangverein 1877 Werner Emmerich und Richard Gerhards und vom Männergesangverein 1874 "Eintracht" Karl Dalmisch/ und Heinz Hummrich. Als Trommler war dabei Karl-Heinz Schmalenbach. Dann bildete sich unter Führung von Margret Röder, unserer heutigen Ehren-Obermöhn, auch eine Amazonengruppe, so daß ein vollständiges Bild entstand. Dem ersten Amazonencorps gehörten an: Hella Ahrweiler, Gertrud Stein, Margret Kornwolf, Maria Gerhards, Felicitas Gecks, Josefine Fink, Gisela Reif, Gisela Dalmisch, Gretel Spurzem, Elisabeth Zimmermann, Grete Fausten, Elisabeth Zils und Liesel Kornwolf.

Ein weiteres, für uns sehr großes Problem für uns war jedoch noch nicht gelöst. Wir hatten kein Geld und die Industrie war in der damaligen Zeit nicht so sehr bereit, uns Unterstützung zu gewähren. ich glaube, an dieser Stelle mit Recht sagen zu dürfen, daß Wilhelm Schultheis immer ein besonderes Herz für unsere Dinge hatte und uns auch damals sehr geholfen hat.

Nachdem wir von Wilhelm Schultheis, dem ersten Ehrenmitglied der "Ka und Ki" einen beachtlichen Geldbetrag bekommen hatten, sind wir zu Helmut Maas von der "Brauerei zur Nette" gegangen, haben ihm vorgetragen, und er hat uns denselben Betrag noch einmal gegeben. Darüber hinaus gab es auch einige andere Leute, die uns mit kleinen Spenden weiterhalfen. Daneben muß man natürlich die finanzielle Selbstbeteiligung aller im Zug Mitwirkenden erwähnen; damals war es - anders als man es heute vielfach antrifft - noch eine Selbstverständlichkeit, für entstehende Kosten selbst einzutreten. - Aber es gab ein weiteres Problem: WWoher sollten wir die Uniformen nehmen? Mit den Amazonen waren wir sehr schnell einig. Die haben sich die Uniformen selbst geschneidert, so daß für das erste Jahr gesorgt war. Prinz und Hofmarschall waren um ihre Uniformen ebenfalls selbst bemüht. Nur Hofnarr und Pagen mußten noch eingekleidet werden. Wir sind dann zu einem Mann nach Kruft gefahren, der als Schneider für das Stadttheater Koblenz tätig war. Wir nannten ihn "Ditzepitter".

Desweiteren stellte sich die Frage nach den Uniformen für die Prinzengarde. Also machten wir uns wieder auf den Weg nach Kettig. Nach langen Gesprächen mit Toni Hillesheim und Jupp Windheuser bekamen wir dann von Kettig die alten Gardeuniformen ausgeliehen, weil die dortige Prinzengarde aus Anlaß ihres 50-jährigen Jubiläums neue Uniformen hatte schneidern lassen. Bei diesen Gesprächen in Kettig haben wir noch sehr viele Grundlegende Dinge besprochen, so z.B. die Durchführung unserer Karnevalsumzüge jeweils im 2-Jahres-Rhytmus. Denn uns war damals von Anfang an klar, daß es von unseren kleinen Gemeinden auf Dauer nicht zu verkraften wäre, jedes Jahr einen Festzug durchzuführen. Dies hat sich bis in die heutige Zeit hinein bewährt. Aus den Gesprächen mit Toni Hillesheim und Jupp Windheuser im Jahre 1953 hat sich eine gute und enge Freundschaft zwischen der Kettiger Karnevalsgesellschaft "Gemütlichkeit" und der "Großen Weißenthurmer Ka und Ki" entwickelt, die wir auch in Zukunft durch unsere gegenseitigen Besuche mehr und mehr verfestigen sollten.

Schließlich nun galt es, alle Vereine zu motivieren, sich mit Wagen oder Fußgruppen am Zug zu beteiligen. Außer an die Vereine appelierten wir natürlich mit Flugblättern auch an die gesamte Bevölkerung, als Zuschauer in unserem Karneval mitzumachen. Zu unsrer Freude kamen auch etliche Zusagen von Seiten der heimischen Industrie - Bims, Blech und Bier.
Für uns alle war es eine große Befriedigung zu sehen, mit welchem Elan und Spaß an den Karnevalswagen gebaut und gemalt wurde. Vor allem war es unser "Öhm Schnack", der von früh bis spät an den Gesellschaftswagen malte, die dann noch halbfeucht im Zug mitrollen mußten.

Die Besorgung von Bonbons, Apfelsinen und anderen Süßigkeiten, die wir als Wurfgeschosse für die Wagen benötigten, war eine weitere Aufgabe. Toni Hirsch wurde zum "Hoflieferanten Seiner Tollität" ernannt. Er betrieb in der Bahnhofstraße zwischen der Rheinbrücke und der Firma Schmalbach Lubeca, einen Süßwarengroßhandel und gehörte der Karnevalsgesellschaft als Mitglied an.

Nun war er da, der Fastnachtssonntag des Jahres 1953. Schon früh am Morgen begannen die Vorbereitungen der einzelnen Mitwirkenden für den Triumphzug Seiner Tollität Prinz Helmut I., Helmut Rausch. Alle waren guter Laune. Natürlich waren unsere Nerven bis zum letzten angespannt, weil wir doch bestrebt waren, unser Bestes zu geben, damit dieser erste große Karnevalszug von Weißenthurm ein nachhaltiges, positives Echo finden würde. Mit Nikolaus (Nikla) Hidien, der in einer alten Polizeiuniform vorwegmarschierte, hatten wir unseren ersten Zugführer. Unter seiner Regie lief dann der große Festzug unter em Beifall vieler Gäste aus nah und fern durch unser Dorf. Wir freuten uns alle sehr un hörten manch ermunterndes Wort.

Das wichtrigste Ereignis, das die weitere Entwicklung der Gesellschaft auch entsprechend prägte, war folgendes: Unser späterer Präsident und Ehrenpräsident Ferdinand Hillesheim, der damals als "Charley's Tante" verkleidet, auf dem Kühler seines Pkw im Festzug mitfuhr, sprang mit seiner großen Freude auf den Gesellschaftswagen (ein großes Narrenschiff) und gratulierte uns zu dem gelungenen ersten Fetzug. Und er sagte wörtlich:"Jungs, das habt ihr Klasse gemacht, ein toller Zug, ein toller Prinz - im nächsten Jahr bin ich dabei; mit mir könnt ihr ab sofort rechnen!"
Mit diesen entscheidenden Worten von Ferd. Hillesheim fing wahrscheinlich auch ein neues Kapitel in der Geschichte der Weißenthurmer Karnevalsgesellschaft an, denn der Verein bekam durch seine persönliche Unterstützung und damit einhergehend durch seine Verbindung zur Weißenthurmer Industrie eine breite, soliede Basis.

Als nach den Karnevalstagen wieder die Ruhe des Alltags eingekehrt war, begannen wir, so wie wir es zugesagt hatten, Gespräche mit Ferdinand Hillesheim, Karl Rausch, Wilhelm Schultheis, Helmut Maas, Peter Probst und vielen anderen Getreuen unserer Gesellschaft. Alle versprachen, das Brauchtum Karneval in Weißenthurm mit Nachdruck fördern und den Verein tatkräftig unterstützen zu wollen. Wir verständigten uns sodann darauf, am 21.03.1953 im Vereinshaus eine öffentliche Versammlung durchzuführen.

Unter der Leitung des damaligen 1. Vorsitzenden Jupp Berresheim nbahm die Sitzung einen ausgeglichenen Verlauf. Die Gesellschaft bekam den Beinamen "All onne ähnem Hoot". Hiermit sollte nach außen dokumentiert werden, daß in Zukunft der Karneval in Weißenthurm von allen Mitgliedern gleichermaßen verkörpert würde, mit Worten, daß alle Garden und Corps, alle Vereine und Verbände, alle Mitwirkenden zu Fuß, zu Pferd oider auf Wagen, jung und alt, gleichberechtigt und einträchtig "unter einem Hut" im Karneval vertreten seien. Diese war damals - wie heute - unser Wunsch, der im Rahmen der Gründerversammlung von allen befürwortet wurde.

Aus den sodann durgeführten Wahlen ging Ferdinand Hillesheim als 1. Präsident der "Großen Ka. & Ki. und Jupp Berresheim als Vizepräsident hervor. Die weiteren Funktionen wurden wiefolgt besetzt:

  • 1. Geschäftsführer
    Hermann Kohns
  • 1. Kassierer
    Franz Thilmann
  • 1. Beisitzer
    Hermann Krudwig
  • 3. Beisitzer
    Peter Eifler

  • 2. Geschäftsführer
    Heinz Benzenberg
  • 2. Kassierer
    Werner Kohlhaas
  • 2. Beisitzer
    Maria Ringel
  • Zeugwart
    Nikla Hidien
  •  

    Die Satzung des Vereins wurde von Peter Probst ausgearbeitet. "Pepro", der Heimatdichter und Poet wurde zum "geistigen Vater" der Gesellschaft; er war von 1955 bis 1979 verantwortlich für die Herausgabe des "Thurer Stadtanzeiger", das offizielle Organ des Vereins.

    Unter großem Applaus nahm Ferd Hillesheim die Wahl an u8nd bedankte sich bei allen Anwesenden. Er versprach die "Ka und Ki" zu einem wahren Bürgerverein weiterzuentwickeln und setzte sich fortan dafür ein, möglich viele Weißenthurmer Bürgerinnen und Bürger als Mitglieder für die "Große Ka und Ki" zu gewinnen. Unter seiner Präsidentschaft entwickelte sich das Motto: "Alles wird richtig, schön und gut, wenn wir bleiben unter einem Hut". Und dieser Hut, ein Zylinder in den Farben Rot-Gold und mit dem Wappen der Stadt Weißenthurm verziert sowie ein Zepter, das - von Heinz Hummrich aus Holz gedrechselt - den "Eulenturm mit Hut" darstellt, wurden zu den Markenzeichen des 1. Ehrenpräsidenten unserer Gesellschaft. Ferd. Hillesheim trug beides stolz bis ans Ende seiner Tage. Er verstarb am 10. Mai 1983.

    Aber kehren wir gedanklich noch einmal in das Jahr 1953 zurück. Im September wurde dann aus aktiven Sängern des MGV 1874 "Eintracht" das Funkencorps "Blau-Gold" gegründet.

    Die Namen der Mitglieder der "ersten Stunde" waren:

    • Paul Helmut Krämer, Kommandeur
    • Gisela Thilmann, Funkenmariechen
    • Werner Zils, 1. Offizier und Leutnand
    • August Alfeld, Spieß und Feldwebel
    • Josef Niederelz, Unteroffizier
    • Toni Thelen, Stabsgefreiter

    Peter Martini, Karl Temme, Friedel Niederelz, Heinrich Ringel, Heinz Freye, Hermann eifler und Willi Eifler als Funken.

    Mit der Gründung des somit "jüngsten" Korps war die Gesellschaft in ihrer ersten Struktur komplett.

    Und Jupp Berresheim fährt in seiner Erzählung fort:"Indem ich das Kapitel des Aufbaus der Großen Karnevals- und Kirmesgesellschaft "All onne ähnem Hoot" von Weißenthurm zum Abschluß bringe, möchte ich mich bei all unseren Freunden, die uns schon in den ersten Nachkriegsjahren treu zur Seite gestanden haben, herzlich bedanken. Wir haben damals in offener, konstruktiver Zusammenarbeit die Grundsteine für die heutige "Große Ka und Ki" gelegt - Maxime, die sich wie ein roter Faden von damals bis in die heutige Zeit verfolgen lassen. Und alle , die dereinst bei der Gründungsveranstaltung im Vereinshaus dabei waren, dürfen genau so wie ich im Rückblick stolz darauf sein, was aus dieser Gesellschaft im Laufe der Zeit geworden ist.

    Und die Liebe und die Treue, die Ferdinand Hillesheim zu seiner Vaterstadt Weißenthurm und zur "Großen Ka und Ki" entwickelt und entfaltet hat, verpflichtet uns, ebenfalls der "Ka und Ki" treu zu bleiben und für alle Zukunft unser rheinisches Winterbrauchtum in seinem Sinne zu pflegen.

    Deshalb möchte ich Sie alle von Herzen bitten, die alten und die jungen Karnevalisten, die Eltern und jugendlichen, die Verwaltungen von Stadt- und Verbandsgemeinde, alle Vereine und Verbände von Weißenthurm: "Unterstützen Sie unseren Verein auch weiterhin, bleiben Sie der Großen Ka und Ki "All onne ähnem Hoot" auch weiterhin freundschaftlich verbunden, dann wird der Stadt Weißenthurm in den künftigen Jahren unser schönes rheinisches Brauchtum erhalten bleiben.

    zum Seitenanfang